Kulturlandschaft Kastleren


Magerwiesen | Realisiert im Oktober 2015 | Wallis

Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts waren im Wallis noch viele Familien gänzlich oder teilweise landwirtschaftliche Selbstversorger. Bis in diese Zeit wurden fast alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen bewirtschaftet. Auch der Waldweidegang sowie die intensive Holznutzung in den Wäldern gehörten zum Alltag und hat die Landschaft sowie die Ökosysteme über die Jahrhunderte geprägt.

Infolge des Wandels in der Gesellschaft und der Landwirtschaft in den letzten 60 Jahren wurden viele dieser ehemaligen Landwirtschaftsflächen aufgegeben und der Wald hat sie sich zurück erobert. Auf vielen Standorten wird der Waldeinwuchs begrüsst. Auf manchen verdrängt er jedoch lichtbedürftige Arten der Flora und Fauna, welche auf eine extensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung angewiesen sind.

Das Gebiet Kastleren in der Gemeinde Turtmann ist eine solche wertvolle Kulturlandschaft, bei welcher diese Tendenz vor 50 Jahren eingesetzt hat. Im Gebiet sind einige seltene Arten vorhanden, deren Populationen durch diese Entwicklung kontinuierlich abgenommen haben. Besonders zu erwähnen ist das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) welches in der Schweiz nur noch an einigen wenigen Standorten vorkommt und eine Zielart des Kulturlandschaftsprojektes Kastleren ist. Die Burgergemeinde Turtmann hat dieses Projekt lanciert und in den letzten Jahren wurden grössere Holzereieingriffe durchgeführt um die eingewachsenen Flächen wieder zu öffnen. Um die Flächen nachhaltig offen zu halten werden sie mit Ziegen beweidet, welche das aufkommende Laubholz kontinuierlich fressen und zurückdrängen.

Ziegen sind intelligente Ausbruchkünstler. Das Naturnetzteam wurde deshalb damit beauftragt, einen ausbruchsicheren Elektrozaun zu erstellen. Zuerst wurde die Linienführung des Zaunes ausgeholzt. Anschliessend wurden auf einer Länge von 1'200 Metern etwa alle drei Meter ein Kastanienpfahl eingeschlagen, fünf Isolatoren daran montiert und die Elektrolitzen eingezogen. Diese werden jeweils nach der Beweidung wieder entfernt um keine Wildtiere zu gefährden. Zudem wurden mehrere Zauntore bei den Wanderwegpassagen erstellt, ausgewählte Bäume geringelt und eingewachsene Flächen ausgeholzt.


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