News für Februar 2024


Türlersee & Region: Eine einzigartige Kultur- und Naturlandschaft

6. Februar 2024

Das Naturnetz ist seit vielen Jahren im Auftrag des Kantons Zürich und des Ökobüros Naturschutz & Artenförderung (Samuel Erzinger) in der Region Hedingen, Affoltern a. Albis und Aeugst tätig. Ein faunistischer und floristischer Hotspot ist der Türlersee und dessen Umgebung. Der See befindet sich südlich des Uetlibergs unweit der Stadt Zürich und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Entstanden ist er gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10'000 Jahre. Es lösten sich grosse Gesteinsmassen der Albiskette und stauten die Reppisch auf. Gleichzeitig bildete sich mit dem Rückzug des Linthgletschers eine bezaubernde Naturlandschaft, welche vielerorts dank gezielten Schutzmassnahmen bis heute erhalten blieb. Die Uferbereiche, Flachmoore und Hangriede beherbergen eine beachtliche floristische und faunistische Vielfalt. Hier fliegen u.a. noch seltene Tagfalter und wenig häufige Libellen. Ebenso beherbergt die Region diverse Amphibienlaichgebiete. Neben den häufigeren Arten gibt es auch ein grösseres Vorkommen des Fadenmolchs (Lissotriton helveticus). Auch floristisch hat die Region einiges zu bieten. Über 20 Orchideen-Arten, sowie andere seltene Pflanzenarten wurden hier bereits registriert.

Aufgrund des Nährstoffeintrages durch die Luft (Stickoxide aus Verbrennungsmotoren) und durch die Landwirtschaft drohen die Flachmoore zu Verschilfen und zu Verbuschen. Dies hat zur Folge, dass weniger konkurrenzstarke Pflanzenarten (u.a. Orchideen) zu verschwinden drohen. Auf mehreren Flächen direkt am Türlersee (Hexengraben, Seematte) und in den südexponierten Hängen der Albiskette (Schutzgebiete: Waldriedli & am Berg) sowie in Affoltern a. Albis (Bisliker & Wängi) führt das Naturnetz in Zusammenarbeit mit Zivildienstleistenden eine frühe Mahd des Schilfes durch. Die Mahd erfolgt mit einer motorisierten Heckenschere im Juni, dichte Stellen werden mit dem Balkenmäher gemäht. Bei der hohen Mahd wird das Schilf selektiv über der meist niederwüchsigeren restlichen Vegetation gemäht. Die «hohe Mahd» ist eine gängige Methode im Naturschutz, um das Schilf zu schwächen und die restliche Vegetation (u.a. Orchideen) zu fördern. Schilf ist zwar im Uferbereich (Land/Wasser) ökologisch betrachtet enorm wertvoll und zwingend zu schützen, breitet es sich aber auf die Flachmoore aus, kann dies zu einer Abnahme der Biodiversität führen, weshalb wir alljährlich versuchen, das Schilf in den Flachmooren zu bekämpfen. Das Schnittgut wird zusammengeführt und entsorgt. Neben der «Verschilfung/Verlandung» ist auch die «Verbuschung» in unseren Flachmooren ein Thema. Im 19. Jahrhundert wurden vielerorts die Grundwasserspiegel künstlich gesenkt. Dies hat zur Folge, dass viele Flachmoore austrocknen und Gehölz aufkommen, welche natürlicherweise nicht wachsen würden. Durch die «Verbuschung» werden seltene und lichtbedürftige Pflanzenarten verdrängt. Um diesen Prozess entgegenzuwirken hat das Naturnetz neben der Schilfmahd in einem Flachmoor (Bisliker, Affoltern a. Albis) Gehölz ausgepickelt. Neben einigen Orchideenarten kommt hier beispielsweise auch der Sonnentau (Drosera rotundifolia) – eine fleischfressende Pflanze vor.

Die südexponierten, extensiv bewirtschafteten steilen Weideflächen (Breiten & Türlerrain) mit ihren geschwungenen Waldbuchen und den Übergängen zwischen Offenland und lichten Wald bieten zahlreichen Tierarten einen geeigneten Lebensraum. Im Rahmen eines umfangreichen Monitorings konnten hier über 14 Heuschrecken und über 34 Tagfalterarten registriert werden (J. Landolt). Insbesondere der Gelbringfalter (Lopinga achine) und der Waldteufel (Erebia aetiops) sind zwei Arten, welche im Kanton Zürich fast vollständig verschwunden sind, in dieser Region aber noch vorkommen. Aufgrund der grossen Insektenvielfalt brütet auf dieser Fläche auch der Neuntöter (Lanius collurio) und in diesem Jahr (2023) konnte erstmals eine singende Zaunammer (Emberiza cirlus) beobachtet werden. Beide Vogelarten kommen bevorzugt auf extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften vor und sind im Kanton Zürich vielerorts verschwunden. Auch die Zauneidechse (Lacerta agilis) fühlt sich auf der Weidefläche wohl. Damit dieser faunistisch-wertvolle Lebensraum mit dem Charakter einer halboffenen Kulturlandschaft erhalten bleibt, braucht es eine regelmässige extensive Beweidung. In den letzten Jahren wurden mit «Luing- Rinder» beweidet. In den nächsten Jahren könnten Maulesel dazukommen. Für die Feinpflege der Flächen war das Naturnetz zuständig. Im Herbst wurden die "Brombeer-Patches" auf den Weideflächen gemäht und Schwarzdornsträucher teils ausgestockt, sodass der halboffene Charakter mit Dornsträucher und Offenland erhalten blieb.

Im Jonental (Affoltern am Albis) liegt angrenzend zum Bach und Waldrand der Mühliweiher. Dieser Weiher drohte aufgrund des sehr starken Pflanzenbewuchses zu verlanden. Aus diesem Grund hat das Naturnetz während der Vegetationsruhe im Winter den Weiher wieder geöffent. In diesem Zusammenhang wurden teils "Pflanzen-Bulten" abgestochen, sodass wieder offene Wasserflächen vorherschten. Wir erhoffen uns damit, dass der Weiher u.a. als Laichplatz für Amphibien genutzt wird. Die Lage des Weihers am Waldrand scheint ideal zu sein insbesondere für Grasfrosch (Rana temporaria) und Erdkröten (Bufo bufo), welche im Wald überwintern dürften.

Die Arbeiten direkt am See waren ein Privileg und eine willkommene Abwechslung zu anderen Tätigkeiten. Unsere Zivildienstleistenden hatten neben der Arbeit auch die Gelegenheit das Leben in diesen artenreichen Schutzgebieten zu studieren. Neben einigen Orchideen – u.a. Sumpfständelwurz (Epipactis gigantea), Bienenragwurz (Ophrys apifera) – liessen sich einige interessante Libellen, Tagfalter, Vögel und Reptilien entdecken. Während der Mittagspause lud der See im Sommer bei der angrenzenden Badestelle zum Grillieren ein. Die Landschaft und deren Flora & Fauna ist einzigartig in dieser Region und Motivation genug diese schönen Naturperlen weiter zu schützen. Wir freuen uns auf die weiteren Einsatztage im nächsten Jahr.



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