Problempflanzenbekämpfung im Furttal


Neophyten | Realisiert im Juli 2016 | Kloster Fahr

Das Naturnetz ist im unteren Furttal mit der Pflege zahlreicher Naturschutzgebiete des Kantons beauftragt. Neben dem Mähen der Mager- und Riedwiesen sowie den regelmässigen Pflegeeingriffen an Hecken, Feldgehölzen und Waldrändern gehört dazu auch die Bekämpfung einer Anzahl von Problempflanzen. Dabei handelt es sich grösstenteils um sogenannte invasive Neophyten, also eingewanderten Pflanzen, die sich bei uns mangels natürlicher Feinde ungezügelt ausbreiten und die einheimischen Vegetation verdrängen. Gemäss der Konvention von Rio (1992) sind solche eingeführten Arten die zweitgrösste Gefahr für die Biodiversität weltweit, gleich nach dem Habitatsverlust. Aber auch einige einheimische Pflanzen können Probleme verursachen. Da die Anwendung von Pestiziden in Naturschutzgebieten verboten ist, bleibt nur das Ausreissen von Hand oder (bei Gehölzen) mit Kreuzhaue und Habegger-Seilzug. Die Gebiete müssen mehrmals pro Jahr kontrolliert und angetroffene Bestände bekämpft werden, um alle verschiedenen Arten vor der erfolgreichen Fortpflanzung zu erwischen. Eine Arbeit, die viel Manpower, aber auch Sachverstand voraussetzt, denn die rund 50 Arten invasiver Neophyten müssen zwischen tausenden einheimischen Arten identifiziert werden - perfekt also für die Zivis vom Naturnetz!

Nachfolgend einige wichtige Arten, die wir im Furttal bekämpfen:

Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus)

Das Einjährige Berufkraut stammt aus Nordamerika und wurde in Europa bereits im 17. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt. Lange fand man es hier ebenso wie in seiner Heimat hauptsächlich auf Ruderalstandorten und gestörten Flächen (Feldwege, Ufer von Fliessgewässern, Weiden mit Trittschäden, Baugruben etc.). Seit einigen Jahren ist jedoch zunehmend zu beobachten, wie es in ungestörte, eigentlich stabile Pflanzengemeinschaften eindringt, insbesondere auf Magerwiesen und Weiden. Dort kann es sich innert weniger Jahre stark ausbreiten und die einheimische Vegetation verdrängen. Wird die Pflanze vor dem Absamen gemäht, kann sie sich aus ihren Wurzeln wieder regenerieren. Die Bekämpfung durch Mahd ist deshalb nur bei grossen Reinbeständen sinnvoll. Wir suchen die Naturschutzgebiete im Furttal mit unseren Zivigruppen nach Berufkraut ab und reissen aufgefundene Pflanzen mitsamt der Wurzeln aus. Da die Pflanzen gestaffelt über die gesamte Vegetationsperiode zum Blühen kommen und im blütenlosen Zustand recht unauffällig sind, muss dies 3-4 Mal pro Jahr wiederholt werden. So unterbinden wir den Fortpflanzungszyklus dieses hartnäckigen Neophyten und können ihn Jahr für Jahr weiter zurückdrängen. In den meisten Gebieten treffen wir deshalb nur noch Restbestände und durch Samenflug neu eingeschleppte Exemplare an. Da das Berufkraut im Mittelland mittlerweile flächendeckend verbreitet ist, wird die regelmässige Kontrolle und Bekämpfung jedoch eine Daueraufgabe bleiben.

Armenische Brombeere (Rubus armeniacus)

Die armenische Brombeere stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und wird in Westeuropa als Beerenstrauch angepflanzt. Vögel, welche die Beeren fressen, verbreiten die Samen in der Natur. Vor allem an Waldrändern, auf Jungwuchsflächen und auf extensiv bewirtschafteten Wiesen kann sich die armenische Brombeere festsetzen. Sie bildet schnell hohe und dichte Bestände, die andere Pflanzen verdrängt. Sie ist konkurrenzstärker als die einheimischen Brombeerarten und kann sich zudem mit ihnen kreuzen. Zur Bekämpfung müssen Bestände der armenischen Brombeere mehrmals pro Jahr gemäht und mindestens einmal pro Jahr möglichst viele Pflanzen mitsamt der Wurzeln ausgegraben werden. Da sie sich gerne in Hecken und Feldgehölzen festsetzen, ist es äusserst mühsam, alle Pflanzen zu erwischen. Bei Reinbeständen kann es zudem nötig sein, durch Ansaat oder Direktbegrünung die ursprünglich vorkommenden Pflanzen wieder anzusiedeln. Mit einiger Hartnäckigkeit konnten wir jedoch schon die schlimmsten Brombeerdickichte in eine schöne Magerwiese oder Hochstaudenflur zurückverwandeln - Dranbleiben lohnt sich also!

Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)

Bei der Acker-Kratzdistel handelt es sich um eine einheimische Pflanze, trotzdem kann sie in Naturschutzgebieten zum Problem werden. Da die Wiesen in diesen Flächen nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden, werden die Acker-Kratzdisteln nicht ausreichend zurückgedrängt und können hartnäckige Nester bilden, die andere Pflanzen verdrängen. Aus diesem Grund reissen wir bei den regelmässigen Neophyten-Kontrollen in unseren Gebieten auch aufgefundene Acker-Kratzdisteln aus, wenn diese im Gebiet zu zahlreich geworden sind. So verhindern wir die Entstehung grösserer Distelnester und die auf Disteln als Futterpflanze oder Habitat spezialisierten Tiere haben immer noch eine Lebensgrundlage.


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