Ruderalfläche und Trockenmauer Vorhaldenstrasse


Natur im Siedlungsraum | Realisiert im Mai 2018 | Kloster Fahr

Natur im Siedlungsraum ist für die Biodiversität in der immer dichter besiedelten Schweiz ein wichtiges Thema. Gärten spielen dabei eine wichtige Rolle, machen sie doch gerade ausserhalb des Stadtkerns einen grossen Teil der Siedlungsfläche aus. Leider sind viele Gärten dominiert von gebietsfremden Pflanzen, die einheimischen Tieren oft keine oder nur eine schlechte Lebensgrundlage bieten, sowie kurz geschnittenen Rasenflächen und mangelnden Versteckmöglichkeiten. Im Rahmen der Ausbildung unserer Praktikanten in den Frühjahren 2017 und 2018 hatten wir die Möglichkeit, als Anwendungsbeispiel einen Teil eines Gartens ökologisch hochwertig neu zu gestalten.

Ein Bereich sollte in eine Ruderlfläche mit lockerer Wildstaudenbepflanzung umgewandelt werden. Dazu mussten unsere Praktikantinnen und Praktikanten erst den Oberboden 40-50 cm tief abtragen. Er war humus- und damit nährstoffreich, es wären bei einer Neubepflanzung sofort wieder nährstoffliebende, kommune Pflanzenarten aufgekommen. Wir ersetzten den Oberboden mit Wandkies, auf dem nur auf nährstoffarme Standorte spezialisierte Pflanzen wachsen können. Diese sind in der Schweiz selten geworden, da die meisten Böden infolge der Bewirtschaftung stark gedüngt sind. Auf dem Wandkies sähten wir eine Ruderalpflanzenmischung an und setzten zusätzlich noch einige Wildstauden als Initialpflanzung in die Fläche. Wildbienen sind oft spezialisierte Bestäuber einheimischer Blütenpflanzen. Um ihnen neben einer Nahrungsgrundlage auch noch einen Unterschlupf zur Verfügung zu stellen, bauten wir oberhalb der Fläche noch ein grosses Wildbienenhotel auf.

In einem zweiten Bereich des Gartens sollte eine zweiteilige Trockenmauer entstehen. In den Nischen und Spalten von Trockenmauern leben hochspezialisierte Pflanzen wie das Zimbelkraut oder der weisse Mauerpfeffer und zahlreiche Tiere finden in ihnen Unterschlupf. Darunter auch die Mauereidechse, die schon während dem Bau über die Steine gehuscht ist. Um die Trockenmauer zu bauen, entfernten wir zuerst die bestehende Vegetation und gruben ein Fundament, das wir noch zusätzlich mit der Vibroplatte verdichteten. Danach bauten wir Stein für Stein die Mauer auf. Beim Bau einer Trockenmauer müssen einige Regeln eingehalten werden. So sollte die Mauer beispielsweise immer gegen den Hang geneigt sein, damit sie sich durch ihr Eigengewicht selbst stabilisiert. Ein Holzgerüst, zwischen dessen Pfosten eine Schnur entlang der geplanten Mauerlinie gespannt wird, dient als Orientierungshilfe. Die Steine müssen immer so gesetzt werden, dass sie auf mindestens zwei Steinen aufliegen und keine vertikalen Fugen über mehrere Mauerschichten entstehen. Zudem sollten in regelmässigem Abstand Bindersteine eingebaut werden, die möglichst weit in die Mauer hineinragen. Als Abschluss werden grosse Decksteine auf die Mauer gesetzt. Sie verhindern ein Verrutschen der darunterliegenden Steine. Eine nach diesen Grundsätzen gebaute Mauer kann mehrere hundert Jahre überdauern und ist damit langlebiger als jede Betonmauer. Für alle Beteiligten ist es ein schöner Gedanke, ein Bauwerk geschaffen zu haben, das uns möglicherweise überleben wird.


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