Entbuschen im Naturpark Beverin


Wiesen, Magerwiesen | Realisiert im September 2021 | Naturnetz-Mobil

Während zweier Spätsommerwochen im September zog ein Team von fünf Zivis und einem Einsatzleiter von Weide zu Weide durch den Schamserberg, um gegen vorrückende Verbuschung zu kämpfen. Zum Glück war das Wetter durchgehend schön. Regen hätte die ohnehin strenge Arbeit zusätzlich erschwert und in den steilen Grasflanken wäre es rutschig und gefährlich geworden. Zwei Wochen lärmten die Kettensägen durch das Dornendickicht und mit den Ästen wurden riesige Haufen aufgeschichtet. Der Einsatz war bestens organisiert vom regionalen Naturpark Beverin, unserem Auftraggeber. Fünf Bergbauern erhielten von uns Hilfe in der Weidepflege, für welche sie alle nicht genügend eigene Kapazitäten hätten. So entstanden schöne und interessante Begegnungen. Die Dankbarkeit war spürbar und zeigte sich ausserdem in Form von Alpkäse und Schoggikuchen.

Unsere Arbeitsgebiete, allesamt TWW-Flächen in Steilhängen, wurden vorgängig von einem Ökobüro erfasst. Mit diesen Daten wurden Massnahmenpläne erstellt, welche die Grundlage für unsere Arbeit waren. Unsere Aufgabe war es, an ausgewählten Stellen Ersteingriffe zu machen, sprich alte und gross gewachsene Strauchgruppen abzuschneiden. Isolierte Weidefläche wurden so wieder miteinander vernetzt, was den Bauern den Zugang und somit die Bewirtschaftung erleichtert und auch der Biodiversität dient. Es zeigte sich deutlich, dass die Sträucher überall in die Graslandschaften vordringen. Die Verbuschung kann nicht aufgehalten, sondern nur mit grossem Aufwand punktuell gebremst werden. Auf den entbuschten Flächen müssen in den kommenden Jahren regelmässig die Neuaustriebe geschnitten werden, sonst sieht es in wenigen Jahren wieder gleich aus. Die Landwirte selbst haben alleine damit schon mehr als genug zu tun.

Die Art und Intensität, wie diese, über Jahrhunderte entstandenen, Kulturlandschaften bewirtschaftet werden, hat sich verändert. In welche Richtung die Bewirtschaftung in Zukunft geht, wird auch entscheidend sein für die Landschaft. Unseren fünf Bauern scheint die alte Kulturlandschaft jedoch am Herzen zu liegen und sie sind motiviert in ihrer Aufgabe, diese zu erhalten. Nützlich sind natürlich Ziegen, welche genau auf die genannten Neuaustriebe besonders scharf sind. Ein Bauer am Schamserberg hat zu diesem Zweck angefangen, seine Geissenherde, statt auf der Alp zu sömmern, auf Weiden anderer Bauern im Tal «arbeiten» zu lassen, wie uns einer der Bauern erzählt. So können wir hoffen, dass unser Fleiss und Schweiss eine nachhaltige Wirkung haben!
Die Geissen und auch andere Weidetiere müssen allerdings gut eingezäunt werden, denn sie stehen auf dem Menuplan des Beveriner Wolfsrudels, das gerade in diesen zwei Wochen landesweit für Schlagzeilen sorgt. Die Erhaltung dieser ökologisch wertvollen Weiden wird damit zusätzlich erschwert und die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgegeben, werden wächst weiter. Der Austausch über solche Themen mit den aufgewühlten Bauern ist wertvoll und geschieht auf einer erfreulich sachlichen und konstruktiven Ebene. Unser Einsatz war somit nicht nur ein Gewinn für den Naturschutz, sondern auch für die Verständigung von Berg- und Talbewohnern.


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