Bauen für den Glögglifrosch


Gewässerbau | Realisiert im September 2013 | Kloster Fahr

Die Landschaft rund um Bergdietikon im Kanton Aargau wurde einst vom Linth-Gletscher geprägt. In den rutschenden Hängen fühlte sich auch die Geburtshelferkröte, im Volksmund auch „Glögglifrosch“ genannt, wohl. Sie gehört zu den wenigen Beispielen väterlicher Brutfürsorge im Tierreich. Das Männchen trägt die Eier mehrerer Weibchen auf dem Rücken, bis die Quappen zu schlüpfen beginnen und setzt diese erst zu diesem Zeitpunkt im Wasser ab. Die Geburtshelferkröte ist von Pro Natura zum „Tier des Jahres 2013“ gewählt worden. Dies, weil ihre Bestände dramatisch einbrechen. Neben dem Verlust an Lebensräumen findet sich eine weitere Ursache in ihrer Anfälligkeit für einen Hautpilz, der den Amphibien drastisch zusetzt.

Im Limmattal bemüht sich der Verein Hotspots um eine Vernetzung und Stärkung von Teilpopulationen der Geburtshelferkröte. Bereits zwischen 2006 und 2011 wurden Massnahmen in Zürich, Oberengstringen, Regensdorf und Weiningen getätigt. Am Standort in Bergdietikon liegen drei kleine Weiher, welche durch Hangdruckwasser gespeist werden. In den letzten Jahren sind diese fast vollkommen verlandet und verwachsen. Um sie wieder in Stand zu setzen, beschloss man eine Vertiefung durch Muskelkraft. Zuerst musste allerdings die Schilfvegetation ausgemäht werden, ehe die Zivis mit Schaufeln und Spaten in die Tiefe graben konnten.

Die Geburtshelferkröte ist klein und - mit Eiern beladen - sehr träge in ihrer Fortbewegung. Aus diesem Grund ist sie auf unterschlupfreiche Biotope in der Nähe von Gewässern angewiesen. Die Unterschlüpfe wurden in den Waldrand integriert, wo sie auch möglichst viel Sonnenlicht erhalten, da die Geburtshelferkröte eine wärmeliebende Art ist. Teilweise mussten dazu Haselsträucher auf den Stock gesetzt werden. Lichte und kleinwüchsige Sträucher wie die Heckenkirsche wurden belassen. Um einen trockenen Untergrund in den Rückzugsmöglichkeiten zu garantieren, wurde ein halber Meter Erdmaterial unterhalb der Struktur ausgehoben und mit Steinmaterial gefüllt. Darüber wurde mit Holz eine Schichtung aufgetragen, die schmale Spalten schuf. Geburtshelferkröten mögen es, wenn ihr Körper rundum die Wände berührt. In ursprünglichen Landschaften schätzen die Tiere die Verstecke, die ihnen die Wurzeln von Bäumen entlang der Kante eines Rutschhanges bieten. Darauf haben wir Rücksicht genommen und unsere Strukturen, gegen hinten vertieft, in den Hang eingelassen. Das ausgehobene Erdmaterial wurde dahinter aufgetragen.

Das Projekt war für die Zivis äusserst attraktiv und abwechslungsreich. Während das Abtiefen der Weiher vor allem schweisstreibend war, so konnten beim Kleinstrukturenbau auch kreative Fähigkeiten eingesetzt werden. Wir hoffen, dass der Glögglifrosch die neuen Gewässer und Unterschlüpfe bald besiedelt!


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