Entbuschung im Hochmoor


Riedwiesen | Realisiert im August 2012 | Naturnetz mobil

Das einzige Hochmoor im Kanton Solothurn ist das Chlepfibeerimoos, in unmittelbarer Nähe des Burgäschisees. Aufgrund der Seltenheit und der Bedrohung dieser Biotope im Kanton Solothurn wie auch in der restlichen Schweiz, kommt ihnen eine grosse Bedeutung für die Erhaltung von hoch spezialisierten, seltenen Arten zu. Das Chlepfibeerimoos beherbergt über 20 bedrohte Pflanzenarten, welche im ganzen Kanton nur hier vorkommen.

Durch das Absenken des Seespiegels und durch Drainagen, welche Nährstoffe aus der Landwirtschaft zuführen, wurden die Lebensbedingungen der typischen Hochmoorvegetation gestört. Diese veränderten Umweltfaktoren führten zu einer Verbuschung und Verwaldung mit Erlen, Weiden, Fichten und Moorbirken.

Im letzten März wurden die mit 50-jährigen Erlen, Weiden und Fichten bestockten Randbereiche durch den Forst gerodet und somit der Grundstein zur Rettung dieses einmaligen Hochmoors gelegt. Um diesen Ersteingriff nachhaltig zu unterstützen, setzte sich im August eine Gruppe des Naturnetzes mit acht Zivis während drei Wochen für die Nachpflege ein. Unter hochsommerlichen Bedingungen und Temperaturen über 30°C jäteten wir im noch fast intakten Kernbereich zwischen Torfmoos und Moosbeere 50 bis 100 cm hohe, mehrstämmige Moorbirken und Schwarzerlen. Was nach einer einfachen Arbeit aussah, entpuppte sich als höchst anstrengend. Diese vermeintlichen Keimlinge waren zum Teil ebenso alt wie die grossen Bäume am Rand des Hochmoors - nur viel kleiner, aufgrund des sauren Bodens und der wenigen Nährstoffe. Meist waren ganze Gruppen durch Wurzelwerk miteinander verbunden, so dass sie regelrecht von Hand herausoperiert werden mussten. Im Vergleich dazu war das Herauszerren der grösseren, zwei bis drei Meter hohen Erlen am Rand des Gebiets mit einem Habeggerseilzug und speziellen Greifzangen schon fast eine leichte Arbeit. Noch strenger als diese beiden Arbeiten war das Entfernen von grossen Erlenstöcken, die dem Bau einer Beobachtungsplattform weichen mussten, mit einer Stockfräse.

Der Dank für das Schweissvergiessen und den Blasen an den Händen war am Schluss ein grosses offenes Hochmoor, welches so vor der Verbuschung gerettet werden konnte!

Und wieso heisst das Gebiet Chlepfibeerimoos? Die Gemeine Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) gehört zur Familie der Ericaceae und ist eine typische Pflanze von Hoch- und Zwischenmooren. Ihre bis 8mm grossen roten runden Früchte, welche beim zerdrücken ein platzendes Geräusch hervorbringen gaben dem Moor beim Burgäschisee seinen unverwechselbaren Namen: Chlepfibeerimoos.


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