Trockenmauer Hebleren 2016


Trockenmauern | Realisiert im August 2016 | Kloster Fahr

Die Stiftung Zingel führt ökologische Aufwertungsmassnahmen in der Umgebung des gleichnamigen Steinbruchs in Seewen SZ durch. Das Naturnetz konnte seit 2013 in diesem Rahmen jedes Jahr mehrere Einsätze zur Restaurierung zerfallener Trockenmauern auf dem Land eines Bauernhofes am Urmiberg durchführen. Dieses Jahr stand die letzte Etappe dieses Projekts an, bei der wir zwei einsturzgefährdete Stützmauern wieder instand setzten. Damit sollten nicht nur wertvolle Lebensräume für trockenheitsliebende Tiere und Pflanzen wie Zauneidechse, Breitkopf-Schmalbiene oder Mauerpfeffer erhalten und die dünne Humusschicht der steilen Wiesen und Weiden vor Erosion geschützt werden. Aus dem maroden Mauerwerk herausfallende Steine stellten auch eine ernsthafte Gefahr für die einige hundert Meter unter den Mauern gelegene Autobahn A4 dar. Höchste Zeit also für die Zivis vom Naturnetz, sich diesem Problem anzunehmen!

Zur Vorbereitung des Fundaments wurde ein Schreitbagger verwendet. Dieser räumte erst die alten Steine weg und pickelte mit dem Spitzhammeraufsatz ein flaches Fundament aus dem darunterliegenden Fels. Anschliessend mussten die abgebauten Steine der alten Mauer beurteilt werden: Die besser erhaltenen konnten erneut für den Mauerbau verwendet werden, die zu stark verwitterten oder zu unförmigen Steine fanden einen Platz in der Hintermauerung. Als Ergänzung konnten wir kostenlos Steine aus dem Steinbruch Zingel beziehen. Eine ideale Lösung, da es sich um den gleichen Alpenkalk handelt, der bereits bei der ursprünglichen Mauer zum Einsatz kam. Nun ging es ans eigentliche Mauern: Mit Steinzange, Struppen, Stemmeisen und Kettenseilzug wuchteten wir Steine von bis zu 400 Kilo Gewicht auf die Mauer. Damit die Steine optimal aufeinanderpassten, mussten sie meist zuerst mit Hammer und Meissel bearbeitet werden. Ein schweisstreibendes Unterfangen beim sprichwörtlich "pickelharten" Alpenkalk. Die wichtigsten Werkzeuge des Trockenmaurers sind deshalb ein geübtes Auge und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Man erspart sich viel Ausprobieren und Bearbeiten, wenn man sich von Anfang an einen passgenauen Stein ausgesucht hat.

Beim Bau einer Trockenmauer müssen einige Regeln eingehalten werden. So sollte die Mauer beispielsweise immer gegen den Hang geneigt sein, damit sie sich durch ihr Eigengewicht selbst stabilisiert. Ein Holzgerüst, zwischen dessen Pfosten eine Schnur entlang der geplanten Mauerlinie gespannt wird, dient als Orientierungshilfe. Die Steine müssen immer so gesetzt werden, dass sie auf mindestens zwei Steinen aufliegen und keine vertikalen Fugen über mehrere Mauerschichten entstehen. Zudem sollten in regelmässigem Abstand Bindersteine eingebaut werden, die möglichst weit in die Mauer hineinragen. Als Abschluss werden grosse Decksteine auf die Mauer gesetzt. Sie verhindern ein Verrutschen der darunterliegenden Steine, etwa wenn Wildtiere über die Mauer steigen. Eine nach diesen Grundsätzen gebaute Mauer kann mehrere hundert Jahre überdauern und ist damit langlebiger als jede Betonmauer. Für alle Beteiligten ist es ein schöner Gedanke, ein Bauwerk geschaffen zu haben, das uns möglicherweise überleben wird.


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